Wie gelingt Beteiligung vor Ort? 140 Engagierte tauschen sich beim großen Netzwerktreffen in Schwäbisch Gmünd aus
Warum sind Engagement und Beteiligung so wichtig für den gesellschaftlichen Zusammenhalt? Was macht aus einer guten Idee ein Beteiligungsprojekt, das Menschen zusammenbringt und vor Ort etwas bewegt? Und was können Engagierte voneinander lernen? Mit diesen Fragen beschäftigten wir uns am 16. Oktober 2026 gemeinsam mit rund 140 Teilnehmenden bei unserem diesjährigen großen Netzwerktreffen in Schwäbisch Gmünd. Unter dem Motto „Wie gelingt Beteiligung vor Ort?“ kamen Vertreter*innen aus Kommunen und Ministerien, Engagierte aus zivilgesellschaftlichen Initiativen sowie Expert*innen aus der Fachpraxis zusammen.
Impulse zur Rolle der Zivilgesellschaft
Nach einer herzlichen Begrüßung durch unsere erste Vorsitzende Gabriele Reichhardt gab Katarina Peranić (Geschäftsführerin von More in Common Deutschland), mit ihrer Keynote einen grundlegenden Impuls für den Tag. Basierend auf der Forschung von More in Common und quantitative Daten aus repräsentativen Umfragen, verdeutlichte sie die Bedeutung von Engagement und Beteiligung für das demokratische Miteinander.
Ganz besonders betonte Katarina Peranić das Potential, über lokale Projekte und Vereine auch Menschen zu erreichen, die bislang wenig gesellschaftlich oder politisch eingebunden sind. Überdurchschnittlich viele Befragte finden Vertrauen und Identifikation vor allem im sozialen Nahraum und der Zivilgesellschaft, erklärte Peranić. Das gelte auch – und insbesondere – für das häufig als „unsichtbares Drittel“ bezeichnete Bevölkerungssegment. Daher, so Peranić, seien Projekte, Akteure und Initiativen, die im unmittelbaren sozialen Umfeld verankert sind, ganz zentral, um diese Menschen zu erreichen. Dafür brauche es passende Zugänge und Formate, die Menschen in ihrem Alltag ansprechen und Austausch und Mitwirkung ermöglichen.
Wie erfolgreich das in lokalen Beteiligungsprojekten gelingen und damit auch die Verwaltung begeistern kann, wurde im Grußwort von Christian Baron (Erster Bürgermeister der Stadt Schwäbisch Gmünd) deutlich. In mitreißenden und motivierenden Worten begrüßte er die Teilnehmenden in ihrem „zweiten Zuhause“. Ein kleiner Hinweis, dass Schwäbisch Gmünd bereits seit vielen Jahren eine sehr intensive lokale Beteiligungskultur pflegt. Baron verdeutlichte die Relevanz von Engagement und Bürgerschaft für den Zusammenhalt, das Miteinander und das alltägliche Leben in einer Kommune. Dass von diesem Engagement langfristig beide Seiten – sowohl Verwaltung als auch Zivilgesellschaft profitierten – davon zeigte sich Baron überzeugt.

Beim Projekt-Speed-Dating voneinander lernen
Wie vielfältig Beteiligung in Baden-Württemberg bereits gestaltet wird, zeigte das anschließende Projekt-Speed-Dating. Insgesamt 33 Akteure stellten ihre Projekte an vorbereiteten Stationen vor und kamen so mit den Teilnehmenden in kurzen Runden ins Gespräch.
Die Beispiele reichten vom Mehrgenerationenwohnprojekt Viva!Carree in Schwäbisch Hall, in dem Bewohner*innen ihr Zusammenleben aktiv gestalten, bis zum bürgerschaftlichen Hospizprojekt in Schwäbisch Gmünd. Das Dorfcafé in Ostelsheim schafft einen neuen Treffpunkt für die Dorfgemeinschaft, während Bürger*innen in Altlußheim mit einem Umweltgarten den Folgen des Klimawandels vor Ort begegnen.
Der Austausch machte deutlich: Die Projekte verfolgen zwar unterschiedliche Ziele und sind ganz verschieden gestaltet, ihre Initiator*innen stehen jedoch häufig vor ähnlichen Fragen und Herausforderungen. Die Vernetzung hilft, neue Perspektiven zu gewinnen und Anregungen für die eigene Arbeit mitzunehmen. Denn oft haben andere bereits Ideen und Lösungsansätze für Herausforderungen, die einem selbst noch Kopfzerbrechen bereiten.


„Allianz auf Tour“: Erfahrungen aus vier Orten
Nach der Mittagspause richtete sich der Blick auf die Eindrücke und Erkenntnisse aus unserer diesjährigen Reihe „Allianz auf Tour – Wie gelingt Beteiligung vor Ort?“. Hintergrund sind die vier Projektbesuche der Allianz für Beteiligung in Waldstetten, Asch, Murg und Schriesheim im ersten Halbjahr 2026, bei denen gemeinsam mit einem gastgebenden Projekt vor Ort lokale Initiativen und Engagierte zusammengebracht wurden.
Auch bei diesen „Mini-Netzwerktreffen“ in kleinem Format ging es darum, Erfahrungen auszutauschen, Herausforderungen gemeinsam zu betrachten und voneinander zu lernen. Im Mittelpunkt standen Fragen danach, was Projekte vor Ort erfolgreich macht, wie sich Schwierigkeiten bewältigen lassen und welche Tipps und Werkzeuge andere Initiativen nutzen können.
Das Netzwerktreffen in Schwäbisch Gmünd bildete den Abschluss und das Finale unserer Tour durchs Land. Auch hier stand die Frage „Wie gelingt Beteiligung vor Ort?“ im Mittelpunkt. Auf Grundlage der Erfahrungen aus den vier Projektbesuchen hatten wir bereits im Vorfeld sieben zentrale Erfolgsbausteine für Beteiligungsprojekte herausgearbeitet. Sie reichen von „Ein gemeinsames Ziel entwickeln und ins Tun kommen“ über „Verantwortung übernehmen und Zusammenarbeit gut gestalten“ bis hin zu „Dranbleiben, lernen und Wirkung sichern“.
Die sieben Bausteine zeigen wichtige Stellschrauben erfolgreicher Beteiligungsprojekte auf und enthielten bereits erste Handlungsleitlinien sowie praktische Tipps und Werkzeuge, die bei den Projektbesuchen gesammelt wurden. Diese Erfolgsbausteine bildeten die Grundlage für die anschließenden Diskussionen in thematischen Kleingruppen.
Gemeinsam Erfolgsbausteine für Beteiligungsprojekte erarbeiten
In den Kleingruppen diskutierten die Teilnehmenden, was sich in der Praxis bewährt hat und welche konkreten Tipps anderen Projekten weiterhelfen können.
In der Gruppe zum Thema „Menschen erreichen und Mitmachen ermöglichen“ ging es beispielsweise darum, wie sich unterschiedliche Zielgruppen ansprechen lassen. Die Teilnehmenden empfahlen unter anderem persönliche Einladungen und die Zusammenarbeit mit Multiplikator*innen. Außerdem entwickelten sie Ideen für niedrigschwellige Begegnungsangebote im öffentlichen Raum – etwa einen Dönerstand oder das Format „Pizza und Politik“.
Die Kleingruppe zum Thema „Kooperationen und Netzwerke auf Augenhöhe gestalten“ beschäftigte sich damit, wie sich die Zusammenarbeit mit Akteuren außerhalb der eigenen Initiative langfristig gestalten lässt. Als hilfreiches Format wurden beispielsweise sogenannte „Bieterrunden“ genannt. Dabei bringen alle Beteiligten ein, was sie leisten können und möchten. So lassen sich Aufgaben gemeinsam verteilen und unterschiedliche Kompetenzen zusammenführen.
Auch die Zusammenarbeit zwischen Engagierten und Verwaltung wurde diskutiert. Feste Ansprechpersonen in der Kommune und regelmäßige Austauschtermine, beispielsweise im Rathaus, können die Abstimmung erleichtern. Eine transparente Kommunikation spielt dabei eine zentrale Rolle: Nicht nur Ergebnisse, sondern auch Abläufe und Verfahrensschritte sollten verständlich erklärt werden – selbst dann, wenn es noch keine neuen Informationen gibt. Das hilft, Erwartungen zu klären und Vertrauen aufzubauen.


Gemeinsam Beteiligung vor Ort stärken
Die Ergebnisse der Gruppenphase zeigen: Erfolgreiche Bürgerbeteiligung braucht gemeinsame Ziele, gute Zusammenarbeit, passende Rahmenbedingungen und Menschen, die Verantwortung übernehmen. Ebenso wichtig ist es, Erfahrungen zu teilen, voneinander zu lernen und Herausforderungen offen anzusprechen.
Das Netzwerktreffen in Schwäbisch Gmünd bot dafür viel Raum. Die zahlreichen Beispiele und Gespräche machten deutlich, wie vielfältig Beteiligung vor Ort gestaltet werden kann – und dass gute Ideen besonders dann Wirkung entfalten, wenn Menschen gemeinsam an ihrer Umsetzung arbeiten.

Autorin: Elisa Söll