Allianz für Beteiligung

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PROJEKTBESUCH IN IRSLINGEN

Ende Januar waren wir im Rahmen des Förderprogramms „Quartiersimpulse“ zu einem Projektbesuch vor Ort in Irslingen, um an der Vorstellung der erarbeiteten Bürgerkonzeption „Irslingen hat Zukunft! Gut leben und Wohnen im Alter!“ teilzunehmen. Ziel des Abends war es, über die Ergebnisse der Bürgertische zu berichten. Die Bürgertische bildeten den Auftakt der Bürgerkonzeption in Irslingen mit dem Hauptanliegen die Infrastruktur im Ort zukünftig so zu gestalten, dass ein Älter werden im Ort selbst und eigenständig möglich ist. Mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten möchten die Irslinger nun mit Hilfe des Förderprogramms „Quartiersimpulse“ in die Umsetzungsphase starten.

Alle machen mit!

Den Auftakt zur Veranstaltung machte der Jugendchor „Lautstark“ und startete mit dem Lied Chasing Cars, dessen erste Zeilen symbolisch für den Prozess in Irslingen stehen und zwar dafür, dass es jetzt Zeit ist die Dinge anzupacken. In dem Lied heißt es: „ We’ll do it all, Everything, On our own. We don’t need Anything, Or anyone” also: wir werden alles selbst machen und benötigen dazu niemanden. Diese Haltung spiegelte sich auch in der Organisation des gesamten Abends wider: um das leibliche Wohl kümmerten sich die Landfrauen. Die Musikkapelle sagte spontan ihre Probe ab und untermalte die Veranstaltung musikalisch in den Pausen. Und alle packten mit an und stellten weitere Stühle auf, als deutlich wurde, dass das Interesse an der Veranstaltung größer war, als gedacht.

„Klein, aber besonders mutig“

Nach der musikalischen Einführung begrüßten Regina Lino Roeßle und Klaus Häsler, als Projektkoordinatoren, die ca. 250 Teilnehmenden in der Waidbachhalle. Sie berichteten, dass die Irslinger gemeinsam im März 2018 mit einer euphorischen Grundstimmung in den Prozess gestartet seien und man voller Zuversicht war, in einem Jahr erste Ergebnisse präsentieren zu können. Aus dieser Sicht ist der heutige Termin ein Meilenstein: Heute gehe es darum, einen Blick zurück zu werfen, aber auch in die Zukunft zu blicken. Bis heute war es für die Irslinger ein langer Weg, den sie aber gemeinsam gut gemeistert haben, konstatiert Lino Roeßle. Als bisher kleinster Ort in Baden-Württemberg haben Sie sich um eine Förderung im Förderprogramm „Quartiersimpulse“ beworben und die Förderung erhalten. Als „klein, aber besonders mutig“ beschreibt Lino Roeßle den Ort, für den Beteiligung mittlerweile kein Fremdwort mehr ist. Dies mache sich bemerkbar am Austausch an den Bürgertischen, bei der Teilnahme an der Umfrage sowie beim monatlichen Kaffeetreff und Binockelspiel. Die Beteiligung sei ins Alltagsleben der Irslinger übergegangen. Wo der Weg aber in Zukunft hinführe, dass würde der Prozess zeigen. Ob es in Irslingen in Zukunft eine ambulant betreute Pflege Wohngemeinschaft geben werde, oder einen Bürgerbus, dafür würden am heutigen Abend die Weichen gestellt. Und damit es weitergeht „müssen wir auch zukünftig gemeinsam im Gespräch bleiben“ appeliert Frau Lino Roeßle.

Vorstellung der Projekttische

Im Anschluss stellten die Sprecher*innen der Bürgertische die thematischen Schwerpunkte vor und berichteten, wo man sich zukünftig aktiv als Irslinger mit einbringen und beteiligen kann, um in Irslingen gut älter werden zu können. An vorbereiteten Projekttischen hatten die Sprecher*innen der Bürgertische in der Pause und nach dem offiziellen Teil die Gelegenheit sich über die ersten Ergebnisse zu informieren und sich zu überlegen an welchen Themen sie gerne in Zukunft mitwirken und sich beteiligen wollen.

 

Die Bürgergruppe „Begegnungen, Kontakte, Treffs“, die sich vorrangig mit den sozialen Aspekten im Ort beschäftigte, präsentierte beispielsweise die Planung, dass zukünftig Themenmittage angeboten werden sollen, die sich ganz nach den Bedarfen der Einwohner*innen richten. Denkbar sind hier Angebote zu „Digital im Alter“ und den Fragen: Tablet, PC, benötige ich das im Alter noch? Und wenn ja, wie kann es mir in meinem Alltag behilflich sein?

Die Gruppe „Neues Wohnen in Irslingen“ möchte gemeinsam darüber nachdenken, ob in Irslingen ein Gemeinschaftswohnprojekt realisiert werden kann, was es dazu benötigt und auch gemeinsam zu prüfen, wie es realisiert werden kann.

Durch den Bürgertisch „Infrastruktur, Grundversorgung, Mobilität“ initiiert, soll in gemeinsamen Exkursionen ein Blick nach Außen geworfen werden, was andere Kommunen im Landkreis bereits zum Thema „Mobilität + Alter“ umsetzen. Hier steht der interkommunale Austausch und das Voneinander-Lernen im Vordergrund und das Gelernte dann auf die Strukturen in Irslingen zu übertragen.

Ein weiteres Thema möchte die Gruppe „Bürgerengagement und Bürgerorganisation“ angehen. Ziel und Anliegen ist es, eine Bürgergemeinschaft zu gründen, die in der Lage ist auch weiterhin Fördergelder zu beantragen und damit die Kommune beispielsweise bei Fragen der kommunalen Daseinsvorsorge zu unterstützen.

„Sorgende Gemeinschaft – Quartier und Beteiligung“ Minister Manne Luche

Im Anschluss an die Vorstellung der Projektgruppen konnten sich die Teilnehmenden an Projekttischen darüber informieren, wo sie sich einbringen und zukünftig beteiligen können und wollen. Um diese Entscheidung noch zu unterstützen hielt Sozialminister Manne Lucha nach der Pause eine Rede zum Thema „Sorgende Gemeinschaft – Quartier und Beteiligung“. Beeindruckt durch das Engagement der Irslinger, unterstrich Herr Lucha, dass es ein zentrales Anliegen der Strategie „Quartier 2020“ des Ministeriums für Soziales und Integration Baden-Württemberg sei, die Autonomie und die damit verbundene Würde im Alter zu bewahren. Diesen Prozess zu begleiten und zu unterstützen ist die strategische Zielsetzung. Er unterstrich, dass die Diskussion sich schon lange nicht mehr nur allein darum drehe, ob eine ambulante oder stationäre Unterbringung vor Ort errichtet werden sollte, bzw. von Nöten ist, sondern dass die Diskussionsgrundlage vielschichtiger geworden sei, wie auch das Beispiel Irslingen zeige. Es gehe mittlerweile viel mehr darum, den Prozess des Älterwerdens als sorgende Gemeinde in die Hand zu nehmen und vor Ort voranzubringen. Dies gehe nur, wenn Politik und Bürgergesellschaft vor Ort in einer gemeinsamen Verantwortungsgemeinschaft diese Diskussion zusammen führen und gemeinsam den Prozess vor Ort begleiten. So bestärkte er die Irslinger darin, die Gründung der Bürgergemeinschaft aktiv anzugehen, um so den begonnenen Beteiligungsprozess und die zukünftigen Aufgaben vor Ort gemeinsam anzugehen und bewältigen zu können.

Fotos © Lisa Weis

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